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Geschichte

Woher der Name Rieden kommt ist nicht eindeutig zu klären. Einmal könnte die Bedeutung von „roden“ zugrunde liegen, also Rieden als Rodungsort, was die Nähe zum Gramschatzer Wald nahe legt, zum anderen die Bedeutung von „riet“ (Rietgräser), also Rieden als Ort, der bei einem feuchten Gebiet liegt.

Frühgeschichte

Aus der Zeit, als die Menschen noch als Jäger und Sammler lebten, sind noch das Keilmesser eines Neandertalers (130 000 – 30 000 v. Chr.) und eine kleine dreieckige Feuersteinspitze einer Pfeilbewehrung erhalten (8 000 – 6 000 v. Chr.)

Dörfer mit festen Häusern, in denen die Bewohner Ackerbau und Viehzucht betrieben, sind seit 5500 v. Chr. in Rieden bekannt. Die Existenz der Dörfer ist nachgewiesen durch Funde von Steinbeilen aus Felsgestein, Messerklingen, Pfeilspitzen und Bohrer aus Silex, Getreidemahlsteinen aus Sandstein und die Scherben der damals benutzten Tongefäße. Die Ansiedelungen datieren in die Zeit der linearbandkeramischen, Rössener Michelsberger und nachfolgenden Kulturen. Eine Bestattung in seitlicher Hockerlage wurde am Ziegelberg gefunden.

Während der Urnenfelderzeit (1200 – 800 v. Chr.) weisen die Funde auf das Bestehen von vier größeren Dörfern und sieben Weilern auf Riedener Gemarkung hin. Besonders hervorheben muss man eine Pfeilspitze, eine Spirale und einen Gusspfropfen aus Bronze, sowie das Bruchstück eines „Mondidols“, das wohl kultischen Zwecken diente.

Kleinere Ansiedelungen bestanden in der Hallstattzeit. Aus dieser Zeit sind das Fragment eines Ohrrings und einer Paukenfibel erhalten, die auf eine zerstörte Brandbestattung hinweisen.

In keltischer Zeit bestand ein landwirtschaftliches Gehöft. Die Funde daraus, Scherben von scheibengedrehter und stempelverzierter Keramik, Graphitton-gefäße und das Bruchstück eines Glasarmringes zeigen, dass die Bewohner einen gewissen Wohlstand erreicht hatten.

Gründung Riedens

Germanische Funde aus den nachfolgenden Epochen der römischen Kaiserzeit und des frühen Mittelalters fehlen völlig. Nachweise menschlicher Besiedelung beginnen erst wieder mit der Gründung Riedens. Da einige umliegende Orte bereits im 8. Jahrhundert n. Chr. erstmals schriftlich erwähnt wurden und Rieden in einem Altsiedlungsgebiet liegt, scheint es naheliegend, dass auch Rieden in dieser Zeit gegründet worden ist.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1142, wo ein Bischoff Embrico dem Schottenkloster ein Neugereuthgut im Wolfstal bei Rieden schenkt.

Möglicherweise wurde diese fränkische Siedlung gezielt angelegt und mit Privilegien (Centgericht, Pranger) im eroberten Raum versehen. An dem fast quadratisch angelegten Platz vor der Kirche befanden sich wichtige Einrichtungen wie Rathaus, Gaststätte und Schmiede. Umrahmt wurde dieser Platz von Gaden, die vielleicht zu einer Kirchenburg gehörten. Ein gewölbter unterirdischer Gang soll noch heute vom Kirchturm zum Rathaus verlaufen. Möglicherweise könnte das auch ein Gadenkopf gewesen sein, denn bei den Baggerarbeiten am jetzigen Feuerwehrhaus wurde ebenfalls ein solcher gewölbter Gang gesehen.

Die Wichtigkeit dieses Platzes wird auch dadurch bestätigt, dass die Dorfstraße ursprünglich über diesen Platz führte. Die gesamte Ansiedelung wurde mit Hecken und Zäunen abgegrenzt. Es gab auch zwei Tore, das „gemeine Thor“ gegen Essleben und im Westen das „Stefans- oder Gallenthor“.

Nach 1100 gibt es viele schriftliche  Schenkungs- oder Lehensbelege, d.h. es wurden einzelne Anwesen Klöstern oder Adelsgeschlechtern zins- und lehenspflichtig gemacht.

Das Centgericht Eichelberg

Das Centgericht Eichelberg ist eng mit dem historischen Rathaus in Rieden verbunden, das um 1686 erbaut worden ist. Hier war der Gerichtsort in bürgerlichen Sachen (z.B. Beleidigung, Schlägerei, Feldschäden,

Grenzprobleme, Maße, Gewichte) und auf dem Eichelberg stand der Galgen. Gerichtet wurde dort in peinlichen Dingen (z.B. Mord. Diebstahl, Notzucht). Zur Cent Eichelberg gehörten die umliegenden Ortschaften: Rieden, Mühlhausen, Hausen, Erbshausen- Sulzwiesen, Opferbaum, Bergtheim, Oberpleichfeld und Essleben.

Die Cent Eichelberg wies eine Besonderheit auf, nämlich eine Art Gottesgericht. In der Riedener Flur befanden sich sog. „Nemessaplatzli“ (Niemandesplätzchen). Dem Verurteilten wurde nach der Urteilsverkündung ein besonderer Gnadenerlass zuteil. Denn während des Betens von 3 „Vater unser“ hatte der Verurteilte die Möglichkeit laufend einen dieser Plätze zu erreichen.

Nach dem Gebet wurde ihm ein berittener Knecht nachgeschickt. Erreichte jener einen dieser Plätze, war er frei, ansonsten wurde das Urteil vollzogen. Nicht verwechselt werden darf der Begriff Cent mit der Zehnt, also eine Abgabe von einem zehnten Teil von Feldfrüchten, Vieh, etc. an den Lehensherrn.

In der Geschichte Riedens darf auch Fürstbischof Julius Echter nicht unerwähnt bleiben, da er doch hier unverkennbare Spuren hinterlassen hat. Unter seiner Regentschaft wurde die Pfarrkirche erbaut (1614). Zehntscheune, Grenzsteine, die Untere Mühle gibt es noch heute, ein 116 Morgen großer See wurde vom Seebach gespeist. Ihn gibt es nicht mehr, aber  seine nierenförmige Form ist noch heute deutlich im Gelände zu erahnen. In dieser Zeit gab es in Rieden auch einen nicht unerheblichen Weinbau. Das Gebiet erstreckte sich vom Glockenberg an den Westhängen entlang bis fast nach Mühlhausen. 1904 wurden die Weinberge nach einem Peronosporabefall aufgelassen und sind seitdem Ackerland.

Rieden in den Kriegsjahren

Der 30 jährige Krieg (1618-1648)

Nachdem bereits im Jahre 1611 die Pest in Rieden gewütet hatte, tat der 30 jährige Krieg sein Übriges dazu. Als 1635 die Schweden aus Franken abzogen, ließen sie ein ausgeplündertes, verwüstetes, verarmtes Land zurück mit einer verängstigten, durch Hunger, Seuchen und Pest stark dezimierten Bevölkerung. In Rieden lebten damals nur noch 6 Personen.

Die Koalitionskriege

Am 23. Juli 1796 kam das französische Kriegsheer von Arnstein den Mühlengrund herauf. Sechs Wochen wurde geplündert, geraubt, geschlagen, usw. Breits 1805 kamen die Franzosen wieder durch Rieden, diesmal aber nicht als Feinde, sondern als Verbündete. Wieder musste von Seiten der Gemeinde viel Geld und Naturalien bereitgestellt werden.

Die Kriege von 1860 und 1870/71 berührten das Dorf kaum. Am Kriegerdenkmal werden drei Gefallene erwähnt.

Die Weltkriege

Im 1. Weltkrieg hatte man schon erhebliche Verluste, man musste 26 Gefallene und 3 Vermisste beklagen. Der 2. Weltkrieg forderte gar 28 Tote und 12 Vermisste. Erst 1955 kehrte der letzte Kriegsgefangene aus russischer Gefangenschaft zurück. Die Kriege führten im Ort selbst zu keiner Zerstörung. Lediglich im 2. Weltkrieg wurden auf Rieden Brandbomben abgeworfen, die aber keinen weiteren Schaden anrichteten.

Rieden heute

1978 wurde das Dorf im Zuge der Gemeindegebietsreform mit Hausen und Erbshausen-Sulzwiesen zu einer großen Gemeinde Hausen vereinigt, die bis 1994 der Verwaltungsgemeinschaft Bergtheim angehörte. Seitdem hat Hausen mit seinen Ortsteilen wieder eine selbständige Verwaltung. Neue Baugebiete am Glockenberg und jetzt am Hochbehälter haben dazu geführt, dass die Bevölkerung nun auf ca. 700 Einwohner angewachsen ist.

Die ehemals rein bäuerliche Struktur hat sich geändert, denn bis auf wenige Vollerwerbslandwirte geht der größte Teil der Bevölkerung in Würzburg oder Schweinfurt zur Arbeit.

Im Rahmen der Dorferneuerung plant man zurzeit mit der Direktion für ländliche Entwicklung eine teilweise Neugestaltung des Ortes unter besonderer Berücksichtigung der historischen Substanz.

Zahlreiche Vereine sorgen im Dorf für eine lebendige Gemeinschaft

Quelle: Peter Römert, Josef Kaiser (ergänzt durch die Dorfgeschichte von Lidwina Keller)


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